Sogar die Katzen sind müde

Kater | schokofisch.de

Neujahr. Im Fernsehen läuft das Neujahrskonzert – eine Tradition. Ich schaue es regelmäßig, obwohl ich kein ausgesprochener Walzerfan bin. Aber es passt zum Neujahrstag und hat dieses leicht angestaubte Wiener Flair. Plüschpolster in einem Wiener Café, „eine Mélange bitte!“

Neujahr fühle ich mich immer etwas verkatert, obwohl ich quasi keinen Alkohol trinke. Trotzdem ist Silvester ja für Hochsensible auch eine Herausforderung. War das Feuerwerk bei euch auch lauter und intensiver als die Jahre zuvor? Während meine Katzen schon ab dem Nachmittag, wenn die Knallerei losgeht, leichte Panik schieben, wird es mir tatsächlich erst um Mitternacht zu viel. Gestern war ich das erste Mal gar nicht draußen, was auch damit zu tun haben mag, dass direkt vor unserer Tür eine Gruppe Jugendlicher von der Party nebenan das neue Jahr begoss und beknallte. Irgendwann hatte ich die Idee, meine geräuschreduzierenden Kopfhörer aufzusetzen! Das war gut.

Eigentlich wäre ich fürs Wegfahren: Irgendwo ans Meer, wo kein Feuerwerk stattfindet. Das funktioniert leider wegen der Katzen nicht – vielmehr: Ich möchte die Katzen nicht alleine lassen. Und immerhin war unserer einer Kater, der sich sonst eigentlich nur unters Sofa verzieht, sehr tapfer und ließ sich sehr gut beruhigen – ohne Sofa.

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Was mir an Silvester noch auffiel: Für mich ist das längst nicht so bedeutungsbeladen wie Weihnachten. Weder stellt dieser Tag für mich den „ultimativen Partytermin des Jahres“ dar, wie ich neulich las, noch werde ich da Jahresend-sentimental (wie mein Gatte). Einmal, vor 10 Jahren oder so, „feierte“ ich tatsächlich einmal alleine – das war tatsächlich auch nicht wirklich toll, aber ganz anders, als an Weihnachten allein zu sein (und die Familie zu „verraten“).

Gestern gab’s also gutes Essen mit Freunden, die aber (um wegen der Knallerei noch nach Hause zu kommen) vor Mitternacht wieder gingen. Wir schauten später noch nette Konzerte im Fernsehen. Und ich war spät im Bett.

Passt alles, um sich heute „wie an Neujahr“ zu fühlen. Schon als Kind nahm ich diesen Tag als etwas seltsam wahr. Ein Tag wie in Zeitlupe, man bewegt sich noch langsam. Schon damals lief im Hintergrund das Neujahrskonzert, und man war etwas müde. Eine Auszeit.

Ich gebe mich heute also der Katerstimmung hin und warte ab, wie 2019 so wird. Und plötzlich scheint mir die Sonne durchs Fenster mitten ins Gesicht…


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Inga
Das Thema Hochsensibilität beschäftigt mich seit Jahren. 2016 rief ich deshalb das Blog "schokogiraffe.de" ins Leben. Ich bin außerdem Social-Media-Managerin, evangelische Theologin und Buchhändlerin.